Ideenstadt Düsseldorf – Typografie und Werbehistorie

Ideenstadt Düsseldorf – Typografie und Werbehistorie
29.11.2013 – 01.12.2013

Letztes Wochenende tat sich ein Guckloch auf, welches Einblicke in Düsseldorfs Werbe- und Designszene gewährte. Das Programm der Veranstaltung sah eine Zeitreisen in die Historie der Werbemetropole Düsseldorf und Dialoge mit ihren gegenwärtig amtierenden Talenten vor.
Unter anderen referierte Hanno Bennert über Trams und alternative Umlaute. Er ist Schriftgestalter, Grafiker und macht nach eigener Aussage »…nie wieder eine Schrift ohne Pfeile…«. Perfektionismus ist das für ihn allerdings noch nicht, sondern Anspruch auf Vollständigkeit. Doch bevor er mit einem Font abschließen kann, gestaltet Bennert neben Brüchen wie 1/32 auch schon mal Buchstabenvarianten und platzsparende Umlaute.

Tram: Bennerts erster Font entstand eigentlich ohne Anspruch auf Vollendung. Bis 11 Freunde darauf aufmerksam wurden und den Schriftsatz für ihr Magazin nutzen wollten. Inzwischen gibt es sieben Schriftschnitte und eine außergewöhnlich große Glyphen-Palette. Deshalb eignet sich der Font für sehr viele unterschiedliche Sprachen. Höhepunkt der Karriere der »Tram« war laut Bennert ihr Auftritt auf einem gleichnamigen Verkehrsmittel.

Subtil: Diese Schrift gestaltete Bennert für die Dortmunder Stadtwerke und deren Subunternehmen. Aus dem Logo entwickelte er zunächst das D mit der leicht konkaven Punze. Darauf folgend entstanden individuelle Wortmarken für DEW21, DOKOM21 und Co. Der Font wurde 2007 vom Type Directors Club in der Kategorie Display-Schriften ausgezeichnet.

Rekord: Ein Freund Bennerts eröffnete eine Kneipe namens Cafe Rekord und natürlich brauchte diese einen individuellen Schriftzug. Da zahlt es sich aus einen Kumpel zu haben, der Schriftgestalter ist und kürzlich Italien bereist hat. Inspiriert vom typografischen Straßenbild Bolognas entwickelte Bennert die Schriftfamilie »Rekord«. Er fügte jedem Buchstaben eine stilistische Variante hinzu, um ihre Verwendungsmöglichkeiten breiter zu fächern. Inzwischen wird der Font auch als Hausschrift der Philharmonie Rotterdam verwendet.

BKH: Für eine Pitch der Bundeskunsthalle Bonn entstanden, schlummert der Font »BKH« inzwischen in Hanno Bennerts Schublade. Doch da dieser »…nie aufhören…« kann, gibt es inzwischen mehrere Schriftschnitte. Die markante Form der Buchstaben wurde inspiriert von dem Gebäude der Bundeskunsthalle. Anhand eines Rasters, das an die Form der kleinen Spitztürme auf dem Dach des Museums angelehnt entstand, konstruierte Bennert die Buchstaben. Der Q-Strich ist der wellenförmigen Fassade nachempfunden.

Eliza: Die Handschrift einer Frau zu digitalisieren, das war die Herausforderung vor der Bennert zu Anfang stand. Nach kläglichen versuchen eine weibliche Stiftführung nachzuahmen wendete sich der Typograf letztlich doch an eine Vertreterin des anderen Geschlechts. Um die Handschrift noch authentischer zu gestalten, kreierte er im Anschluss eine Vielzahl Ligaturen und Buchstabenvarianten.

Typografie gab es in Düsseldorf aber nicht nur zum anhören, sondern auch zum anfassen. Ausgestellt wurde unter vielen anderen Exponaten ein Zollstock, den die Agentur achtnullvier beidseitig mit je 2 Metern Typografiegeschichte bedruckte. Die Zeitreise beginnt beim ersten Alphabet, streift die Entstehung der »Frutiger« und beleuchtet typografische Richtlinien wie Versalhöhe und Lesbarkeit.

Konzeptioniert und Realisiert wurde die Zeitmaschine Ideenstadt Düsseldorf von Studenten des Fachbereichs Design der FH Düsseldorf. Die Projektleitung übernahmen Prof. Victor Malsy und Jens Müller.

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